Vielen Patienten dürfen wir Wegbegleiter sein
Juli 2026
Wenn Halt im Leben fehlt
Bei der ersten Visite finde ich unser Krankenhaus mit vielen kleinen Patienten vor. Eine junge Mutter hatte mit 5 Jahren bereits ihre eigene Mutter verloren, der Vater fand Trost im Alkohol und sie ging mit 15 Jahren dann selbst eine Ehe ein. Ihr erstes Kind verstarb an einer Infektion mit 1 ½ Jahren... Nun bekam sie Streit mit Ihrem Ehmann, wobei er sich dann das Leben nahm. Sie ist nun mit einem frühgeborenen Kind mit 1,1 kg Geburtsgewicht bei uns, wobei das Kind bereits zugenommen hat. Sie kann nicht mehr in das Haus des Mannes zurück. So ist sie erstmals ohne Bleibe mit ihrem kleinen Kind!
Wie kann das sein…?
Ein auswärtiges Ambulanzauto steht vor unserem Krankenhaus und darin liegt ein abgemagerter Mann und wartet auf unsere Hilfe. Die Angehörigen melden keine Dringlichkeit an. Endlich entdecken wir ihn, und der Mann schaut uns mit hilfesuchenden Augen an. Er ist nur noch Haut und Knochen und eingefallen. Er hat Tuberkulose, jedoch sprechen die Medikamente, die erst sehr spät eingenommen wurden, nicht mehr an. Wir versuchen ihn an ein Tuberkulose-Zentrum zu vermitteln und haben den Kontakt hergestellt mit der uns bekannten Ordens-Schwester und sie ist zur Aufnahme bereit. Als wir wieder raus kommen ist das Auto mit dem Patienten weg. Wir laufen und telefonieren hinterher, der Fahrer wollte heim!! Sie kommen nicht mehr!!
Wie ein roter Faden
Die Hilflosigkeit und das alleingelassen Sein zieht sich wie ein roter Faden durch die schweren Schicksale. Eine deutlich geschwächte Frau mit einem Leberabszess war in 3 Krankenhäusern, wo eine Diagnostik, jedoch keine Therapie gemacht wurde. Sie müsse in eine Uniklinik gehen, was sie tat, jedoch in dem überfüllten Krankenhaus fand sie keinen Zugang zum zuständigen Arzt. Wir brachten sie mit unserem Assistenten dorthin, wo sie 10 Stunden auf die Sonographie Untersuchung warteten, dann auf den Bericht und nach Mitternacht kein Arzt mehr in der Ambulanz sie aufnehmen konnte. Wir haben Kontakt zu einem dortigen Radiologie-Professor, der dann die Aufnahme ermöglichte.
Netzwerk mit Fachärzten
5-jähriges Mädchen mit Trommelschegel-Finger erscheint, der Vater hält uns ein paar Papiere hin, aus denen wir entnehmen, dass das Kind einen schweren Herzfehler hat (Loch im Herzen und Fehlen der Lungenarterie- Fallot Tetralogie). Die Sauerstoffsättigung ist deutlich vermindert (75%). Er ging in verschiedene staatliche Kliniken in Kalkutta, was ihn im Rahmen eines Herzprogrammes stufenweise weiter in andere Kliniken führte, aber wo und wer eine Operation macht, blieb ihm verborgen. Er musste einen Mittelsmann (Agenten) für Geld einschalten, der diese Krankenhausbesuche übernahm, um das Prozedere zu verstehend. Dann ging das Geld aus. Als sie zu uns kommen, rufen wir unseren befreundeten Kardiologen an und schildern die Situation. Sofort sagte er zu, wir sollen morgen mit dem Kind zu ihm in das Herzzentrum kommen. So ist unser Netzwerk mit den Fachärzten eine große Hilfe!!
Nächstenliebe leben
Es ist schön, wie Debashis unsere Arbeit kommentiert: „Wir müssen uns um diese (hilflosen) Patienten kümmern, da wir Gott verantwortlich sind…“ So ist der Geist der Nächstenliebe auf ihn übergesprungen.
Aushelfen
Ein älterer Mann erscheint in der Ambulanz, da er sich verbrüht hat und der halbe Oberschenkel voller Blasen ist. Wir verbinden täglich und hören dann, dass er und seine Frau allein ohne Kinder sind und die gebückte Frau nur ein wenig bei der Feldarbeit verdient. Von der Hand in den Mund leben sie. Wegen dem Regierungswechsel sind die staatlichen Förderungen momentan gestoppt. So helfen wir mit wöchentlichen Nahrungspaketen aus.
Wundergarten Gottes
Unser Wundergarten Gottes, der Permakultur-Garten, liefert täglich frisches Gemüse und Obst für unsere Kinder. Wir kommen aus dem Staunen nicht heraus, wie ein einst so brachliegendes Land nun so eine Fülle uns bietet. Im Krankenhaus wird täglich von dieser Ernte gekocht – biologische Lebensmittel, die auf gesundem Boden gewachsen sind, stärken die Darmflora und schließlich die Gesundheit…
Mitten im Evangelium
Heute habe ich einen Priester zu uns ins Krankenhaus bestellt, da eine Krebspatientin im Endstadium gestern sehr schwach und schmerzerfüllt war. Auf ihren Lippen war nur noch der Name Jesu zu hören. Nach dem Segen und der Krankensalbung, wobei unsere Mitarbeiter beim und im Gebet dabei waren, stand sie wieder auf und lief lächelnd herum… Unglaublich. Wir befinden uns mitten im Evangelium.
Bitte bleib!
Wir bemerken bei einer Mutter mit einem behinderten Kind, dass sie dies nicht versorgt und stets am Telefonieren ist. Als sie davonläuft und ihr Kind zurücklässt, können wir sie gerade noch an der Hauptstraße abfangen und fragen wohin des Weges sie sei? Sie meint ihr Bruder sei gekommen - dieser erschrickt jedoch bei der Nachfrage und rennt davon. So konnten wir gerade noch verhindern, dass ihr Kind allein zurückgelassen wird. Sicher braucht sie Stärkung in ihrem Weg…
Seite an Seite gelingt der Weg
Ein Patient ist akut an einem Nierenversagen erkrankt, wir vermuten toxisch bedingt. Er war im lokalen Krankenhaus und wurde weiterverwiesen an eine Uniklinik 70 km entfernt, was für ihn unerreichbar war. Wir fuhren den geschwächten Patienten dorthin, wo er jedoch nicht aufgenommen wurde, da die Überweisung schon 3 Tage alt war. Also wieder zurück ins lokale Krankenhaus für einen Tag, wo erneut eine Überweisung ausgestellt wurde und er nun endlich dort Aufnahme und Therapie finden konnte.
Fast verhungert…
Während eines Dorfbesuches finden wir ein schwer mangelernährtes Kind, wo die Hautfalten schon deutlich abstehen. Als wir die Mutter befragen sagt sie uns, dass der Vater ihr kein Geld für Nahrung (sowohl für sie als auch für das Kind) gibt. Dadurch hatte sie auch nicht genug Muttermilch und das Kind war am Verhungern. Der Vater meinte, sie brauche kein Essen von außen, spirituelle Rituale würde für sie ausreichen. Hier kommt noch eine alte kulturelle Tradition durch, wo die Santals nur von ihrer Jagdausbeute lebten. Jedoch die Landschaft in Monokultur des Reisanbaus ist verändert. Zum Glück hat die Nachbarin die Not erkannt und will sich nun mit um die Familie kümmern. Wir bieten Zusatznahrung an.
Mangelernährung überwunden
Im Dorf besuchen wir eine Mutter, die ein untergewichtiges Neugeborenes hatte. Wir hatten sie bei uns im Krankenhaus und sie war sehr ängstlich und unsicher in der Versorgung des Kindes gewesen. Nun kommt sie uns freudig entgegen und wir sehen einen munteren Säugling auf ihrem Arm, der gut zugenommen hat. Die Mutter ist sehr dankbar und fühlt sich auch im Dorf nun angenommen
Alles ist neu… nach einer Hochzeit
Unsere Dorfhelferin Kallol wurde durch einen Heiratsvermittler in ein weit entferntes Dorf zur Heirat vermittelt. Sie ist von heute auf morgen in einer neuen fremden Familie mit 8 Mitgliedern. Im Dorf kennt sie noch niemanden. Das ist schon eine Herausforderung, da die Santals eng im Familienverbund leben und nicht individualisiert. Und: Immer noch geben die jungen Menschen ihre Schulausbildung auf, wenn sie heiraten, um Geld zu verdienen - meist auf dem Bau oder auf dem Feld als Tagelöhner…
Raues Leben
Als wir auf dem Heimweg aus Kalkutta an der Bahnschranke halten, ist vor uns ein Pritschenwagen mit ca. 30 Männern, alle hager und dünn, die von der Baustellen-Arbeit zurückgefahren werden. Alle stehen eng beieinander auf dem Wagen, nur an der offen Klappe hinten sitzen die Männer. Einer hält sich an einem Seil fest und nickt immer wieder ein. Falls er einschläft, ist es vorauszusehen, dass er vornüber vom Wagen kippt und das nächste Auto ihn überfährt. Es gibt keine Sicherheit Stange, bzw. Schutz für diese Tagelöhner. Sie sind dem rauen Leben ausgesetzt und allein Gottes Hand kann sie halten.
Sorgenkind Sonja
Sonja, unser Sorgenkind, hatte im ersten Lebensjahr 8 schwere Pneumonien (Lungenentzündungen), so dass wir an eine Immunschwäche auch denken. Nun erholt sich das Kind mit seinen 18 Monaten bei uns erstaunlich gut, und wir schauen uns ihre Wohnhütte an. Dort regnet es herein, auch gibt es kein Bett, sondern Mutter und Kind schlafen auf dem feuchten Lehm-Boden. Wir bauen nun ein Regendach neu und besorgen Bett und Matratze für Mutter und Kind. Hoffentlich kommt es dann nicht gleich wieder zum nächsten Infekt.
Dankbar sind wir nun im Herzen froh, so
vielen Menschen Wegbegleiter sein zu dürfen.
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