Wunder gibt es immer wieder!
September 2026
Am ersten Tag meiner Ankunft hatten sich gleich mehrere schwer kranke Patienten eingefunden, die aus fernen Gemeinden geschickt wurden. Die Priester dort senden gern hilflose, kranke Menschen zu uns, da sie wissen, dass wir uns diesen Armen annehmen.
Unerkannt…
Eine junge Frau Jyotisa, 27 Jahre, sichtbar mit erschwerter Atmung sitzt vor uns und wir fragen nach ihren Beschwerden und Vorgeschichte. Sie macht nicht viele Angaben, sitzt eher wie ein Häuflein Elend vor uns. Es zeigt sich dann ein Herzgeräusch, was sich im Ultraschall als ein Herzklappenfehler darstellt und dringend einen operativen Ersatz benötigt. Sie versteht ihr Problem nicht und wir müssen alles weitere Vorgehen mit dem lokalen Priester besprechen, der in ihrer Santal-Sprache sie bestärkt, die nötige Operation im kardiologischen Krankenhaus in Kalkutta durchzuführen, wohin wir sie dann begleiten.
Sonya im Glück
Unsere kleine anderthalb Jahre alte Patientin Sonya hat abermals eine Lungenentzündung und wir machen uns Sorgen, da sie im ersten Lebensjahr schon mehrere schwere Pneumonien hatte. Wir hatten auf eine Immunschwäche getippt, was sich nicht bestätigte. Mittlerweile ist sie schon so vertraut bei uns, dass sie sich bereitwillig untersuchen lässt. Zum Glück erholt sie sich sehr rasch und sucht neugierig nach Betätigung. Eine Schachtel mit neuen Legosteinen lässt sie sofort aufstehen - begeistert ihre Krankheit hinter sich lassend… Rasch ist sie wieder auf den Beinen. Die Ernährungs-Reha stärkt Sonya nun.
Arm? Oder reich…?
Unser krebskranke Patientin Basanti zeigt uns, wie groß Gottes Gnade sein kann. Schon vor 4 Jahren gab der Onkologe ihr nicht mehr viel Zeit zum Leben… Vor 2 Monaten hat sie dann doch zunehmend Schmerzen und Schwäche gezeigt und sie konnte nicht mehr aufstehen. Wir holten ihre Kinder und haben eine Krankensalbung durch unseren Priester durchgeführt. Danach erholte sie sich zusehends, stand dann wieder auf und konnte auch wieder kurzzeitig nach Hause. Sie ging auch wieder in der Kirche zur Messe. Immer hat sie ein strahlendes Lächeln im Gesicht, das uns alle sehr verwundert und erfreut.
Nun kam ein reicher Geschäftsmann mit einer ausgedehnten Hautinfektion zu uns in die Ambulanz, und wir versorgten ihn auch. Es stellte sich heraus, dass er in einer Lebenskrise ist: die Familie zerbrochen und im Beruf unglücklich. Armselig sitzt er da. Daneben sitzt unsere Basanti, die gerade eine Infusion bekommen hatte, mit ihrem strahlenden Lächeln – das Leben neu geschenkt. Jeder Tag ist ein Freudentag!
Der Geschäftsmann konnte es nicht begreifen, dass sie ihn so anstrahlte!! Arm und Reich haben die Seiten gewechselt!
Jod-Mangel
Der Jodmangel macht sich hier auch eklatant bemerkbar. Bei der Neugeborenen Vorsorge fiel mir bei einer Mutter eine stark vergrößerte Schilddrüse auf. Als wir das Schilddrüsenhormon untersuchten war es extrem erhöht (TSH >500). Zum Glück waren die Werte beim Kind normal und wir konnten die Mutter auch gleich mit der nötigen Therapie versorgen.
Vieles bleibt im Dunkeln
Wie von höherer Hand geleitet
Große Freude kam auf, als Somnat - mittlerweile 15 Jahre - uns besuchte. Vor 8 Jahren kam er mit einer Wirbelsäulenfraktur im Schädel-Hals-Bereich, wo eine Querschnittslähmung drohte. Damals ging ich mit ihm direkt zu einem Neurochirurgen in Kalkutta in ein größeres Neurochirurgisches Zentrum. Wie von höherer Hand geleitet wurde ich weiter gewiesen und stand im Operations-Vorraum, wo gerade der Neurochirurg herauskam. Ich zeigte ihm meine Röntgenbilder, Kind und Mutter hatte ich dabei und stellte die akute Notfallsituation dar. Er schaute sich die Sache an und meinte kurz, morgen operiere ich ihn.
Lange war Somnat noch bei uns zur Rehabilitation… Nun besucht er die Highschool und kann sich frei bewegen. Wunder gibt es immer wieder!!
Wende im Leben…?
Durga ist ein junges Mädchen, das wir seit mehr als 12 Jahren kennen, da wir die ganze Familie mit 4 Kindern viele Jahre unterstützt haben. Sie hausten in einer herabgekommenen Lehmhütte, hatten nur das geringste zu essen und die Kinder hatten extreme Anämien, was immer wieder Bluttransfusionen notwendig machten. Die Familie lebte von gelegentlichen Arbeiten auf dem Bau oder Kanalreinigung. Nur in dringendsten Notsituationen kamen sie zu uns. Einmal konnte ich alle sechs völlig verdreckt auf einer Schutthalde beim Bau entdecken, lachend, da dies ihr Leben sei.
Nun sitzt Durga mit 16 Jahren vor uns und ist verheiratet und schwanger. Wir befürchten, die Armutsspirale geht weiter und Durga muss nun im neuen Haushalt alle versorgen mit Kochen, Waschen und Feldarbeit und bestellen den Ehemann ein. Es zeigt sich jedoch ein netter junger Mann, der versichert, seine Mutter würde die meisten Arbeiten in der 6-köpfigen Familie verrichten und Durga müsse nicht zur Feldarbeit. So haben wir Hoffnung auf eine Wende in ihrem Leben!
Dankbar
Es ist schön, viele unserer Patienten über einen so langen Lebensweg hinweg zu begleiten und in Not immer wieder helfend zur Seite sein zu dürfen. In der Gemeinschaft, erfüllt mit gutem Geist, finden sich unter Gottes Gnade immer wieder Lösungen – die uns staunend und dankbar lassen…
Garten Gottes
Unser Perma-Garten hat wieder viele neue Früchte und Gemüse hervorgebracht, zum ersten Mal auch eine Bananenernte. So haben wir die Bananen gleich im Krankenhaus an alle Kinder verteilt. Dieser Garten wird als Garten Gottes betrachtet, da er uns so reich mit gutem (Bio-)Gemüse und Obst beschenkt.
Wenn Erde und Mensch verbunden bleiben, öffnet sich der Himmel und Wunder geschehen.
„Was ihr für einen meiner geringsten Brüder getan habt, das habt ihr mir getan“ (Matthäus 25, 40)
Eindrücke aus Indien...
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