Erfahrungsberichte unserer Volontäre

  

Lesen Sie hier, wie es unseren Fachkräften wie ÄrztInnen, Kinderkrankenschwestern und ErnährungswissenschaftlerInnen in Indien ergeht und wie Sie ihren Projekteinsatz erleben.

Erfahrungsbericht Clara Kürsch, Gesundheits- und Krankenpflegerin, 23 Jahre

Im November 2018 mache ich mich auf in Richtung Indien. Ein Land, das ich noch nicht kenne und mir im ersten Moment Angst macht. Mir wird erzählt, es sei laut, voll, verrückt und überfordernd. Außerdem würde es überall stinken, die Luft sei schlecht und die Menschen gewöhnungsbedürftig. Einiges mag mehr oder weniger stimmen. Gleichzeitig lerne ich in den nächsten Monaten eben dieses Land und vor allem seine Menschen lieben.

 

Nachdem ich mein Examen als Gesundheits- und Krankenpflegerin in der Tasche hatte, wollte ich diesen Beruf in einem anderen Land erfahren. Lange habe ich nach einem Projekt hinter dem ich voll und ganz stehen kann gesucht und fand dieses, innerhalb meines drei monatigem Aufenthalt, in Shining Eyes. In erster Linie, weil es nachhaltig gestaltet ist. Es werden Hilfestellungen zur Selbsthilfe gegeben und ein großer Teil der Arbeit sind Prävention und Aufklärung. Es wird an Ursachen gearbeitet, anstelle von Symptomen. Doch es steckt so viel mehr dahinter. Im "health care center" herrscht eine familiäre und warmherzige Stimmung. Ich fühle mich all die drei Monante, die ich zu vielen Teilen auch als einzige Freiwillige da bin, immer gut aufgehoben, sicher und verstanden. Ich schließe wertvolle Freundschaften und sammle, in jeglicher Hinsicht, Erfahrungen.

 

Meine Hauptaufgabe ist das Ausbilden neuer Sozialarbeiterinnen. Ich plane, gestalte und gebe Unterrichtsstunden zu verschiedenen Themen, wie Notfallmanagement, Schwangerschaft, Familienplanung, und vielem mehr. Anfangs ist es eine Herausforderung für mich so selbstgesteuert und frei zu arbeiten. Natürlich läuft immer alles mit Rücksprache, aber ich kann meine Ideen und Anregungen einbringen und anwenden. Das ist manches Mal im ersten Moment überfordernd, so absolut selbtständig zu arbeiten, gleichzeitig wachse ich an mir und meinen Aufgaben. Mir wird meine Verantwortung auf diese Art und Weise viel eindrücklicher. Es liegt, größtenteils, an mir, ob die Sozialarbeiterinnen das Unterrichtete so weitergeben, dass es in den Dörfern richtig ankommt. Dass dieses Wissen, Stück für Stück, Veränderung bringen kann. Manchmal belastet mich das bewusst-sein meiner Verantwortug. Die gesamte Fragestellung der Entwicklungsarbeit, deren Sinn und Effektivität.  Doch dann kommen Kinder wie Chobi. Ein drei Jahre altes Mädchen aus einer sozial schwachgestellten Familie. Mit einer Mutter, die psychisch nicht in der Lage ist für ihre drei Kinder zu sorgen. Einem Vater, der nicht genügend Geld nach Hause bringen kann. Einer vier Jahre älteren Schwester, bei der man vergisst, dass sie ein Kind ist, weil sie die Tätigkeit der Mutter übernimmt. Und einem ein Jahr jüngeren Bruder, der viel mehr Aufmerksamkeit bräuchte, als er bekommt. Die Kinder sehen verwahrlost aus. Chobi und ihr Bruder Akash wirken apathisch und müde. Mit Zeit, einer besseren Ernährung und die Fürsorge aus dem "health care center", werden aus den Dreien aufgeweckte Kinder. Sie schauen einen an, interagieren und erinnern wieder daran, wie Kinder eigentlich aussehen sollten.

Clara und Chobi im Gesundheitszentrum, ...ein ganz vertrautes Beisammensein.

Im Laufe der Monate stehe ich immer wieder an einem Punkt der Verzweiflung. Es ist nicht einfach mit Menschen einer anderen Kultur, die wirklich sehr verschieden ist, zusammen zuarbeiten. Es braucht, meiner Meinung nach, viel Geduld, Verständnis und Mitgefühl. Die Dinge brauchen länger, die Kommunikation ist aufgrund der unterschiedlichen Sprachen und Kulturen erschwert und die Denkweise ist eine ganz andere. Aber es lohnt sich. Immer und immer wieder. Wenn ich diese Kinder lachen sehe und weiß, ich kann einen Teil dazu beitragen, ist all die Verzweiflung vergessen. Wenn Monika mir sagt, dass um die 420 Kinder durch die Check-ups und Hilfestellungen eine Chance auf ein sorgenfreieres Leben bekommen haben. Dann bekomme ich den Eindruck, dass ich mein pures Glück, in Deutschland aufgewachsen zu sein, ausreichend Essen, Bildung und eine gesicherte Existenz zu haben, genau richtig nutze.

Clara und unsere Gesundheitshelferin Pavotti von Ghoshaldanga, welche uns regelmäßig bei Schulungen der Dorfbewohner unterstützt.

 

Erfahrungsbericht Clara Kürsch, Gesundheits- und Krankenpflegerin
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