Corona - in Indien steigen die Neuinfektionen täglich an

Die Wanderarbeiter kehren heim

Nun kamen die Wanderarbeiter zurück, welche auswärts am Bau gearbeitet hatten und  tagelang z.T. zu Fuß hunderte von Kilometern gelaufen sind. Ausgehungert, ohne Arbeit und mit Sehnsucht nach der eigenen Familie und dem heimatlichen Dorf kamen sie an. Einige Wanderarbeiter hatten sich tatsächlich an Corona angesteckt und gelten nun als Infektionsträger im Dorf. Jedoch nehmen die Dorfbewohner die Rückkehr aller Neuankömmlinge selbst in die Hand. So rufen sie bei deren Ankunft erst einmal die Polizei und diese bringt sie ins staatliche Krankenhaus. Dort werden sie auch getestet. Dann dürfen sie zurück ins Dorf, wo sie zunächst in einer freistehenden Schule einquartiert und mit Essen versorgt werden. Wenn sie nach einigen Tagen gesund und negativ getestet sind, kehren sie endlich in ihrer Hütte ein. Jedoch hält der langanhaltende Lockdown die Menschen im Dorf fest und sie können nicht als Tagelöhner ihren Unterhalt verdienen. Nun hat die Regierung große Mengen Reis, Öl, Weizen zur Verfügung gestellt. Oft reicht es jedoch nicht für die ganze Familie.

Das Verteilen von Nahrungsmittelpaketen und Zusatznahrung erfüllt unser Team

In unserem St. Mary Krankenhaus hat sich nun die gesamte Belegschaft darauf eingerichtet, Essenspakete abzupacken.  Linsen, Bohnen, Karotten, Sojabällchen und Bananen für jede Familie  also 5 Päckchen…Kostenpunkt 1 Euro...das reicht einer ganzen Familie für gut 4 Tage. 

Täglich fahren wir ein bis zwei unserer 12 Dörfer an und verteilen die Päckchen an die mangelernährten Kinder und ihre Familie. Dabei finden wir auch alleinstehende ältere Menschen, die ohne Kinder und Unterstützung sind, die wir auch versorgen können. Unser Helfer Jayanta geht frühmorgens auf den Markt und kauft ein, was er bekommen kann. Dann werden die vielen Pakete geschnürt und am Nachmittag fährt er mit unserem Fahrer Hopna ins Dorf und verteilt zusammen mit dem zuständigen Gesundheitshelfer unseres Teams die Pakete…dankbare Augen strahlen ihnen entgegen. Ob Sturm, Regen oder starke Hitze sie wollen keinen auslassen und zufrieden und erfüllt kehren sie am Abend zurück. 

Unsere Ambulanz ist wieder in Betrieb

Seit Mitte Juni haben wir unsere Ambulanz für die Kinder und die Schwangeren wieder mit Ärzten besetzt. Unser Koordinator Debashis hat die Hygiene Vorschriften so gut umgesetzt, dass keine Berührung mit den stationären Patienten stattfinden kann. Selbst die Ärzte sind beeindruckt.

Der Großteil des Busverkehrs ist noch nicht wieder in Betrieb, so holen wir unsere Patienten mittels unseres Ambulanzautos aus den Dörfern ab. Ganz vereinzelt verkehren Buslinien, diese sind dann jedoch stark überfüllt und die Passagiere tragen des Öfteren keine Maske. Dem wollen wir unsere Dorfbewohner nicht aussetzen. Bisher hatten wir kaum Covid-19 Fälle bei uns gesehen. Die Hauptquellen sind in Kalkutta und den großen Städten, und verbleiben noch dort durch die abgeschnittenen Bus- und Zugverbindungen. Jedoch, seit den letzten zwei Wochen hat sich die Situation sehr verändert, die Infektionszahlen steigen  stark an, die Krankenhäuser sind voll und ein ständiger Lockdown lässt sich nicht durchführen, da sonst die Menschen verhungern.

Auch in Zeiten von Corona darf die Tuberkulose nicht vergessen werden 

Rasch tauchen auch wieder unsere Sorgenkinder auf. Ein 9-jähriger Junge ganz abgemagert und geschwächt findet sich mit seiner Mutter ein, wo wir eine Lungen-Tuberkulose feststellen müssen. Gleich wird er in das TB Programm aufgenommen und erhält auch rasch seine Medikamente.

Fortbildungen bleiben unverzichtbar

Auch konnten wir unsere Fortbildungen für die Dorfhelfer wieder aufnehmen und sie mehr über Corona aufklären. Leider mussten wir auch ein Kind verlieren, das nachts unbemerkt von einer Schlange gebissen wurde, welche sich in der Hütte eingeschlichen hatte. So haben wir dringend die Erste-Hilfe Maßnahmen besprochen. Auch die Suche nach Tb Patienten im Dorf muss wieder aufgenommen werden, da es diese weiterhin gibt, jedoch ist das Risiko, dass diese während des Lockdowns unbehandelt bleiben erhöht. So fahren wir die Dörfer regelmäßig mit unserem Ambulanzauto an. Unser Team und alle Krankenhausmitarbeiter sind tapfer täglich engagiert, um die Aufgaben nun auch ohne meine Anwesenheit zu bewältigen. Sie spüren Gottes Hilfe an ihrer Seite, die sie auch immer wieder erwähnen. Ich kann stolz auf sie sein!

 

Was ihr für einen meiner geringsten Brüder getan habt, das habt ihr mir getan. 

(Matthäus 25, 40)