19 Jahre medizinische Dorfarbeit

Seit 19 Jahren reist die Kinderärztin Dr. Monika Golembiewski jedes Jahr in ihrem Urlaub in die Santaldörfer Ghosaldanga und Bishnubati in Westbengalen, um den Kindern der mittellosen Reisbauern eine medizinische Versorgung zu ermöglichen. Nach und nach breitete sich ihre Arbeit auf die umliegenden Dörfer aus. 2011 konnte eine Kinderklinik in Bolpur eingeweiht werden. Wie alles begann und wie sich diese Arbeit im Laufe der Jahre entwickelte, können Sie hier nachlesen.

Wie alles begann

Durch das Vorbild von Albert Schweitzer inspiriert, träumte Monika Golembiewski bereits im Studium von einer medizinischen Arbeit in Indien. Nachdem sie den deutschen Schriftsteller Martin Kämpchen kennen lernte, der seit über 30 Jahren in Indien, Santiniketan lebt, und eine pädagogische und kulturelle Dorfentwicklung bei dem Stammesvolk der Santals begonnen hatte, wurde dieser Traum wahr.

 

Er fragte die Kinderärztin an: "Komm doch mal! Bei uns haben die Kinder und Frauen in den Dörfern keinerlei medizinische Versorgung!" Der Koffer wurde mit den notwendigsten Medikamenten gepackt und eine dörfliche medizinische Versorgung begann unter freiem Himmel.

Aus diesem "Komm doch mal!" wurden seit 1994 eine stetige medizinische Aufbauarbeit und Monika Golembiewski reiste in ihren Praxisferien  nach Indien. Im Santal-Dorf Ghosaldanga wurde ein Ambulanzgebäude mit Apotheke für Allopathie, Homöopathie und Heilpflanzen-Auszügen eingerichtet. Gesundheitshelfer im Dorf wurden ausgebildet.

Es wurde ein starkes Gewicht auf die präventive Arbeit gelegt

Durch das Mitleben mit den Menschen im Dorf, zeigten sich die Lebensbedingungen und die Ursachen der vielen Infektionskrankheiten recht deutlich. In den Müttermeetings haben die Frauen immer mehr ihre Probleme ausgesprochen und ihr Interesse an gesundenden Wegen und ihre Mithilfe angeboten.

Verbesserung der Hygiene  

  • Trennung von Tier und Mensch innerhalb der Hütten
  • Bambusregale in den Hütten für das Geschirr, damit es nicht mehr auf dem Boden liegt und von den Tieren angeleckt wird
  • Bau von Waschhäusern und Latrinen, so dass sich Frauen und Kinder nicht länger im Dorfteich waschen müssen und Krankheiten vermieden werden können

Kontrolle der Impfungen

  • Die Impfpässe der Kinder werden regelmäßig von den Gesundheitshelfern im Dorf kontrolliert

Betreuung der Schwangeren

  • Geburtsvorbereitung der werdenden Mütter
  • Fortbildung der Dorfhebamme für eine komplikationslose Entbindung
  • Vorsorgeuntersuchungen mit Blutdruck- und Impfkontrolle, sowie Vitamingaben

Heilpflanzen-Verarbeitung

  • Heilpflanzen-Seminar mit Jesuiten-Pater Fr. Meloo, der über eine 30-jährige Erfahrung in der Santal-Heilpflanzen Medizin verfügt mit Herstellung von Tabletten, Ölen, Sirup und Salben
  • Anlage eines Heilpflanzengartens
  • Verarbeitung der Heilpflanzen zu Tabletten

Vorsorge-Programme in Kindergärten und Schulen

  • Regelmäßige Augenspülungen, Vitamin A Gaben, Zahnpflege, Hautpflege (Skabies) und Wurmsanierung mit Heilpflanzenauszügen
  • Schulküche mit eiweißreichem und vitaminreichem Speiseplan

Weiterbildung der Gesundheitshelfer

  • In den Bereichen Ernährung, Hygiene, Tuberkulose, sowie präventive und kurative Patientenversorgung

Daneben wurden kontinuierliche Programme eingerichtet

Augen-Camp

  • Augenärzte aus der Stadt untersuchten die vielen Augenleiden der Dorfbewohner und ermöglichten die notwendigen Operationen im Regierungskrankenhaus in der Stadt

Schwangerschaftsvorsorge

  • Monatliche Betreuung der Schwangeren, Kontrolle von Impfungen und Vergabe von Vitaminen und Essenzusätzen

Tuberkulose-Programm

  • Dorfhelfer wurden in den Symptomen von Tuberkulose unterrichtet und zusammen mit unserem Gesundheitshelfer Satya, der als DOTS-Provider ausgebildet ist, in die Dörfer zur gezielten Suche nach TB-Patienten ausgesandt. Die Behandlung der Patienten läuft entsprechend dem nationalem TB-Programm unter seiner Aufsicht.

Ernährungsprogramm

  • Kinder bis 5 Jahren, die unter 80% des Sollgewichtes liegen und an Vitaminmangelerkrankungen leiden, werden einem Ernährungsprogramm zugeführt. Zwei mal wöchentlich bekommen sie eine protein- und vitaminreiche Zusatznahrung. Gemeinsam mit den Müttern werden günstige Gerichte gekocht und Gemüse angepflanzt.

Im September 2007 verbrachten Nico Golembiewski und Silvia Mangatter ein 6-monatiges Auslandssemester in den Santaldörfern

Bäckerei

  • Nico Golembiewski (damals BA-Student Produktion und Logistik) und Silvia Mangatter (damals BA-Student internationale BWL) bauten einen Backofen für Brot und Kuchen, das zunächst für die Schulspeisung diente und nun einen eigenen wirtschaftlichen Bereich im Dorf eröffnen soll.

Solaranlagen

  • Nico installierte Solaranlagen für mehrere Schulen und das Ambulanzgebäude in Ghosaldanga und baute zwei Solartrockner auf, die zum Trocknen von Obst, Gewürzen und Tabletten dienen.

Ernährungsprogramm

  • Silvia baute mit unserem Gesundheitshelfer Satya und dem Landwirt Srikanta Mondal ein 2-jähriges Ernährungsprogramm für die mangelernährten Kinder auf. Dieses wurde von der Indienhilfe Herrsching e.V. unterstützt.

Waschhaus mit Latrine

  • In einem gemeinsamen Projekt mit den Dorfbewohnern haben beide in mehreren Dörfern ein Waschhaus mit Latrine gebaut. Damit wird entscheidend die Gesundheitslage im Dorf verbessert und viele Tropenkrankheiten werden vermieden.

Die beiden Studenten haben in dieser Zeit ihr Herz ganz den Santals geöffnet und besonders die Kinder sehr lieb gewonnen, so dass auch ihre Augen leuchten, wenn sie in die Dörfer kommen. Sie sind seit diesem langen Aufenthalt bereits mehrmals wiedergekommen und helfen nun tatkräftig beim Krankenhausprojekt in Bolpur mit.

Durch die Präsenz von Martin Kämpchen vor Ort und die Unterstützung der Lehrer

und Sozialarbeiter im Dorf, die sich in einem Verein (Ghosaldanga Bishnubati Adivasi Trust) organisiert haben, ist die Kontinuität der Arbeit gesichert. Unser treuer Gesundheitshelfer Satya betreut die Projekte täglich und bringt sie weiter voran.